Schwitzen: Covid-19 Reproduktionszahl in Thüringen wie festgenagelt.

Last updated on 22. April 2020

Die Reproduktionszahl ist die wohl wichtigste Größe zur Bestimmung der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19. In Thüringen verharrt sie seit über einer Woche relativ konstant auf dem Level von "1". Das bedeutet: Ein infizierter steckt im Durchschnitt eine weitere Person an.

Covid-19 Reproduktionszahl in Thüringen: Schätzung der Entwicklung bis 7. April 2020

Seit Ende März sind bei den Neuinfektionen nahezu stagnierende Werte zu beobachten - wenngleich auf niedrigem Niveau im Bundesvergleich.

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass bei geringer Ausbreitung eine "Vollbremsung" mit den getroffenen Maßnahmen besonders gut gelingen sollte. Danach sah es zum Quartalswechsel auch aus. Da bewegte sich der Freistaat auch in der Reproduktionszahl vorübergehend sichtbar unter dem Bundesdurchschnitt.

Coronavirus: Reproduktionszahl für Thüringen und Deutschland im Vergleich (Stand 7.4.2020)

Dass der Wert nun stagniert, kann verschiedene Gründe haben: Hierzu könnte ein konsequenteres Testing gehören, frühere Meldungen, aber eben auch eine etwas großzügigere Auslegung der  Kontaktbeschränkungen. Für viele ist die persönliche Betroffenheit doch noch etwas weiter entfernt als in anderen Bundesländern, wenngleich es einige bekannte Infektionsherde gibt.

Tabellarische Darstellung zur Schätzung der Reproduktionszahl in Thüringen
Reproduktionszahl Covid-19: Vorgehen zur Schätzung in Thüringen / Einzelwerte bis 7. April 2020.

Die Berechnungslogik wurde auf das vom RKI am 7.4.2020 beschriebene Vorgehen angepasst. Dabei stelle ich für die Ermittlung weiterhin auf wochenweise aggregierte Werte ab. Zyklische Schwankungen über verschiedene Wochentage und Wochenenden werden somit stärker ausgeglichen (vgl. Beitrag vom 7.4.2020).

Gesamtbild übersichtlich, aber auch kein Spielraum für Lockerungen

Die absolute Anzahl der Infektionen und die recht stabile Entwicklung sind einerseits gut, andererseits zeigt die stagnierende Reproduktionszahl auf dem Level von 1, dass auch für Lockerungen der Kontaktbeschränkungen noch kein echter Spielraum besteht. Auch die Tageswerte zeigen derzeit keinen kurzfristigen Trend, welcher auf Entspannung hindeutet.

Bei zusätzlichen Lockerungen wäre sofort eine Rückkehr zu früheren exponentiellen Entwicklungen zu befürchten.

Die weiteren Tage sind daher durchaus mit Spannung und verhaltenem Optimismus zu erwarten. Zurückhaltung um die Ostertage könnte eine Herausforderung werden.

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.