Covid-19 Frühwarnsystem: Spät erkannte Fälle

Frühwarnindikator: Spät erkannte Fälle

Der Indikator "Spät erkannte Fälle" ist Teil der Gap-Warnindikationen des Frühwarnsystems für Länder und Kommunen. Diese Indikatoren geben Hinweise auf das Vorliegen möglicherweise nicht mehr nachvollziehbarer Infektionsketten. Damit verbunden ist das Risiko, dass asymptomatische Folgeinfektionen vorübergehend in der Dunkelziffer verlaufen und sich weiter verbreiten, bis später ein sichtbares Ausbruchsgeschehen folgt.

Gleichermaßen kann die Kennzahl aber auch ein positiver Hinweis darauf sein, dass im Rahmen einer intensiven Nachverfolgung noch frühere Infektionsketten erfolgreich identifiziert wurden. Daher ist eine abschließende Bewertung nur im konkreten Kontext vor Ort möglich.

Indikation: Spät erkannte Fälle der vergangenen 14 Tage je 100.000 Einwohner,
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Aktualisierung täglich 10 Uhr.

Monitoring (Aktualisierung täglich 10:00 Uhr)

Ermittlung des Indikators

Angegeben wird für die vergangenen 14 Meldestichtage die Anzahl der Fälle, bei welchen der Erkrankungsbeginn zum Zeitpunkt der Meldung überdurchschnittlich weit zurücklag.

Im Mittel kommen Fälle aktuell etwa vier bis fünf Tage nach Erkrankungsbeginn infolge von Diagnose und Testing zur Meldung. Der Indikator zählt ausschließlich die Fälle, bei denen der Erkrankungsbeginn zum Zeitpunkt der Meldung um acht oder mehr Tage zurückgelegen hat.

Der Wert wird zur Vergleichbarkeit je Bundesland auf 100.000 Einwohner skaliert.

Erläuterung

Werden mit dem SARS-CoV-2 erkrankte Personen nicht, oder erst spät erkannt, besteht gleichzeitig das Risiko, dass diese bis zum Zeitpunkt der Diagnose wertere Personen infizieren. Je weiter der Infektionszeitpunkt zurückliegt, umso schwieriger wird es, relevante Kontaktpersonen noch vollständig zu benennen. Vor allem besteht das Risiko, dass in der Folge infizierte Kontaktpersonen inzwischen weitere Personen infiziert haben.

Das späte erkennen und Melden von Fällen gilt daher als Indikator dafür, das sich aus einem infektiösen Fall bereits weitere Ansteckungsketten entwickelt haben könnten, selbige eventuell auch symptomfrei verlaufen und und verbreiten.

Interpretation

Die Ursachen für spät erkannte Infektionen können vielschichtig sein. Eine konkrete Bewertung des Indikators ist nur mit dem speziellen Infektionsgeschehen und auch im Kontext aktueller Maßnahmen von Landes- und Kommunalen Gesundheitsbehörden möglich.

Indikatoren dienen zunächst der Hinweisgebung, welcher eine qualitative Bewertung des Sachverhalts folgen sollte. Keinesfalls lassen sich allein aus dem Indikator abschließende Schlüsse ableiten.

weitere Gap-Indikationen

Covid-19-Infektionen verlaufen oft mit wenigen bis keinen Symptomen (asymptomatisch). Daraus ergibt sich das Risiko, dass sich mehrere Personen nacheinander infizieren, ohne dass dies bemerkt wird. In der Infektionskette könnte dann erst die dritte, vierte oder auch fünfte Person wieder Symptome entwickeln und damit erkannt werden.

Bis zum erneuten Erkennen tauchen Infektionsketten sozusagen in der Dunkelziffer ab und haben dort auch ein Verbreitungspotenzial.

Meine Gap-Indikationen sind darauf ausgerichtet, das Risiko solcher "abgetauchter" Infektionsketten auf regionaler und auch lokaler Ebene quantitativ zu bewerten. Nach einer anschließenden qualitativen Bewertung können gezielt entsprechende Maßnahmen abgeleitet werden, die eine weitere Verbreitung frühzeitig eindämmen. Somit können ggf. spätere größere Ausbruchsgeschehen und umfänglichere Maßnahmen vermieden werden.

Haben Sie Interesse an weiteren Gap-Indikationen? Sprechen Sie mich gerne an.


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