Omikron-Reproduktionszahl

Zielsetzung der "Omikron-Reproduktionszahl" ist die Anpassung der Methode zur Reproduktionszahl-Schätzung auf die Parameter der Omikron-Variante. Es wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es hierbei nicht um die R-Schätzung für die aktuelle Teilmenge der Omikron-Infektionen am gesamten Infektionsgeschehen gehen soll. Vielmehr soll der Algorithmus für das gesamte Infektionsgeschehen unter der Annahme einer erwarteten und nahezu vollständigen Dominanz der Omikron-Variante entsprechend angepasst werden.

Mit der Omikron-Variante hat sich nach aktuellen Einschätzungen auch die Generationsdauer (sogenanntes serielles Intervall) verkürzt. Die Generationsdauer beschreibt die mittlere Zeitspanne von der Infektion  einer Person (Generation 0) bis sich infolge dieser weitere Personen (Generation 1) usw. infiziert haben.

Für bisherige Coronavirus-Varianten wurde in meinem Modell (wie auch im RKI-Nowcast) ein serielles Intervall von 4 Tagen angenommen. Aktuelle Studien aus Südkorea legen nahe, dass das serielle Intervall der Omikron-Variante mit etwa 2,2 Tagen deutlich kürzer ausfällt. 

Praktisch bedeutet dies, dass die Taktung zwischen aufeinander folgenden Generationen mit zunehmender Verbreitung der Omikron-Variante kürzer wird.

Ermittlung der Reproduktionsrate für Omikron

Das in meinem Modell ausgewiesene Omikron-R unterstellt, dass früher oder später Omikron die dominierende Variante sein wird. Geschätzt wird daher ergänzend eine Reproduktionszahl unter der Annahme, dass alle detektierten Fälle der kürzeren Generationsdauer von 2,2 Tagen unterliegen.

Da dies bisher jedoch noch nicht der Fall ist und ein maßgeblicher Anteil der verzeichneten Infektionen der Delta-Variante zuzurechnen sind, ist davon auszugehen, dass das hier ausgewiesene Omikron-R den tatsächlichen Abstand zum kritischen Wert von R (t) = 1,0 vorübergehend unterschätzt. Mit zunehmendem Anteil von Omikron-Fällen sollte sich dann ein realistischer Wert einstellen.

Umgekehrt gilt aber auch, dass die herkömmliche R-Schätzung mit weiter zunehmendem Omikron-Anteil zu einer Überschätzung des Abstandes der R-Werte zur kritischen Marke von 1,0 führen dürfte.

Methodische Umsetzung der R-Schätzung für Omikron

Zur Ermittlung einer auf Omikron adjustierten Reproduktionsrate verwende ich als Basis das 7-Tage-R mit einer Generationsdauer von 4 Tagen und rechne dieses mittels Exponentialfunkion um:

Omikron-R = 7 Tage-R ^ (2,2 Tage / 4,0 Tage)

Quellen

Dasom Kim, Jisoo Jo, Jun-Sik Lim, Sukhyun Ryu:
Serial interval and basic reproduction number of SARS-CoV-2 Omicron variant in South Korea
(Preprint)

GUV.UK / Scientific Advisory Group for Emergencies (SAGE):
SPI-M-O: Consensus statement on COVID-19

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.

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