Reproduktionszahl für Berlin – geschätzt für den RBB

Wie kommt die Reproduktionszahl für Berlin zu Stande? Am 15.6. meldet der Berliner Senat einen Wert von 1,22 für 4 Tage. Ich habe mit meinem wissenschaftlichen Modell die Fälle von Berlin durchlaufen lassen und exklusiv nachgerechnet.

Aus den Erfahrungswerten der Vergangenheit werde für Fälle ohne bekannten Erkrankungsbeginn die Zuweisungen eines Datums vorgenommen (imputierter Erkrankungsbeginn). Ebenfalls wird daraus geschätzt, wie viele Personen zu den genannten Stichtagen bereits erkrankt, aber noch nicht diagnostiziert oder gemeldet sind. Das ist der sogenannte Nowcast.

Beispielhafte Ermittlung der 4d-Reproduktionszahl für Berlin (Rundungsdifferenzen möglich)

Aus dem Modell ergeben sich für die vergangenen 4 Tage im Mittel 50,3 Neuerkrankungen am Tag. Weitere 4 Tage davor sind laut Modell etwa 40,5 neu erkrankte Personen täglich zu verzeichnen gewesen.

Aus der Relation beider Werte ergibt sich eine geschätzte Reproduktionsrate von 1,24.

Die jüngsten Tage werden in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt, da naturgemäß noch wenige Fälle bekannt, diagnostiziert und gemeldet sind, deren Erkrankungsbeginn in den vergangenen Tagen lag.

Zu beachten ist, dass die zeitlichen Verteilungen der Fälle ohne bekannten Erkrankungsbeginn als auch das Nowcasting täglich für alle relevanten Stichtage neu geschätzt werden. Nowcasting-Fälle ersetzen sich dabei sukzessive durch echte Erkrankungsfälle, welche dem Stichtag zuzuordnen sind. So werden sich Reproduktionszahlen, welche an bestimmten Stichtagen geschätzt wurden, auch später noch nachschärfen.


Der Beitrag nimmt Bezug auf den Beitrag des RBB “Das ist die Corona-Ampel – mit all ihren Schwierigkeiten” des RBB vom 15.06.2020

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.