Reproduktionszahlen nach Bundesländern per 30. April 2020

Last updated on 2. Mai 2020

Für die Ansteckungshäufigkeit mit Covid-19 schätze ich per Datenstichtag 30. April 2020 (0:00 Uhr) für die einzelnen Bundesländer folgende Werte:

Bundesland

Schätzung Reproduktionszahl R (1)

Baden-Württemberg

0,65

Bayern

0,70

Berlin

0,85

Brandenburg

0,75

Bremen

0,90

Hamburg

0,60

Hessen

0,80

Mecklenburg-Vorpommern1

0,7 - 1,3*

Niedersachsen

0,75

Nordrhein-Westfalen

0,80

Rheinland-Pfalz & Saarland²

0,85

Sachsen, Sachsen-Anhalt & Thüringen²

0,85

Schleswig-Holstein

0,75

Deutschland

0,75

1 aufgrund äußerst geringer Fallzahlen nicht aussagefähig ermittelbar ² zusammengefasste Ermittlung aufgrund beiderseits geringer Fallzahlen

Reproduktionszahl im Zeitverlauf

Fälle und Schätzung der Covid-19 Reproduktionszahl in Zeitverlauf

In der dieser Abbildung werden die ermittelten Reproduktionszahlen dem Zeitraum zugewiesen, dessen Erkrankungsgeschehen die Reproduktionszahl in etwa beschreibt. In der Wochenbetrachtung entspricht dies etwa 9 Tagen vor dem Datenstichtag (3,5 Tage Mittlungseffekt auf Wochenbasis + 4 Tage mittlere Generationsdauer + 1 Tag, da aktueller Stichtag noch nicht ausgeprägt)

Hinweise zur Ermittlung

Die Ermittlung erfolgt anhand der vom Robert Koch-Institut (RKI) zum Datenstichtag bereitgestellten Falldaten. Für Daten mit nicht verfügbarem oder ungeeignetem Referenzdatum erfolgt eine eigene modellbasierte Imputation über einen 30-Tage-Zeitraum.

Für noch zu erwartende Meldungen wird ein eigenes Nowcasting auf Wochenbasis eingesetzt. Die Reproduktionszahl wird auf Basis eines um die mittlere Generationsdauer versetzten wöchentlichen Zeitfensters ermittelt (7 Tage gleitend).

Das Modell wurde innerhalb des vergangenen Monats kontinuierlich weiterentwickelt, sodass sich hieraus methodische Abweichungen Ergeben. Insbesondere erfolgt eine Schätzung anhand des Erkrankungsbeginns, während in früheren Darstellungen teilweise auf Meldedaten zurückgegriffen wurde.

Die Schätzung wird auf einen Wert von 0,5 gerundet. Abhängig von kurzfristigen Tendenzen wie sich veränderndem Meldeverzug werden alle Schätzdaten auch qualitativ gewürdigt und bei Bedarf expertenbasiert nachgesteuert (max. +/- 0,10).

Für Bundesländer, in welchen auf Tagesbasis geringe Fallzahlen vorliegen, erfolgt eine zusammengefasste Ermittlung, soweit die Werte vergleichbar erscheinen. Ist dies nicht möglich, wird eine Bandbreite ausgewiesen.

Die Angaben sind ohne Gewähr.

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.

3 Kommentare

  1. 30. April 2020

    Klasse. Ich staune wirklich, wie Du das machst.

  2. Dr. Detlef Heidinger (Physiker)
    1. Mai 2020

    Außer Ihrer Ausarbeitung habe ich im Internet keine einzige vernünftige Darstellung zur Berechnung der Reproduktionszahl R gefunden.
    (Die Beschreibung des RKI im Bulletin 17/2020 ist nicht besonders gelungen. Schließlich sollte die Methode auch für jemanden mit nur wenigen mathematischen Grundkenntnissen verständlich sein.)
    Eine kleine Ergänzung wäre vielleicht hilfreich, denn, wenn ich es richtig sehe, ist die Verwendung von R als Maß für den Verlauf der Corona-Epedemie in Ländern mit einer guten Entwicklung nicht (mehr) geeignet:
    Südkorea hatte etwa in der Zeit vom 11.03. bis zum 05.04. einen nahezu linearen Zuwachs von ca. 100 Neuinfizierten pro Tag. In dieser Zeit war also R = 1.
    Der Graph “knickte” dann ab, und seit etwa dem 09.04. beträgt der Zuwachs ca. 20 Neuinfizierte pro Tag. Auch in dieser neuen Phase ist R =1.
    Nur in der Übergangsphase sank R kurzzeitig auf deutlich unter 1 ab
    Südkorea kann also einen Wert deutlich unter 1 gar nicht erreichen; kein Land kann dies bei einem vernünftigen linearen Zuwachs pro Tag.
    Oder habe ich hier etwas grundsätzlich nicht verstanden?

    • Andreas Wenzel
      6. Mai 2020

      Danke für Ihre Rückmeldung. Ich bin ganz bei Ihnen. Niedrige Infektionszahlen sind natürlich wunderbar – außer für eine statistisch hinreichend große Stichprobe. In manchen Bundesländern ist der Effekt jetzt schon zu bemerken wie in Mecklenburg-Vorpommern, wo mit einer handvoll Infizieren R auch per Hand ausgerechnet werden könnte. Andererseits reagiert die Kennzahl im von Ihnen beschriebenen Fall absolut korrekt. Im Prinzip will sie ja genau solche Änderungsmomente signalisieren, was bei einer Beschleunigung ein wichtiger Indikator ist. Sie sagt hingegen nichts über die absolute Anzahl von Neuinfektionen aus, sondern nur darüber, ob sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit beschleunigt, verlangsamt oder gleich bleibt. Dabei ist es gänzlich egal, ob bei 20, 100 oder 10.000 Neuinfektionen.

      Ich finde es aber wichtig, dass die Kennzahl funktioniert, wenn sie benötigt wird. Das wäre dann wahrscheinlich bei der nächsten Welle. Die erste scheint unter Kontrolle.

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