Reproduktionszahl: Luft nach oben könnte früher dünner werden als gedacht

Last updated on 17. Juli 2020

Aktuell ist in den Reproduktionszahlen ein leichter Trend in Richtung 1,0-Marke zu erkennen. Damit werden zwar jeden Tag weniger Menschen Infiziert als gesunden, doch dieser Trend nimmt ab.

Im Prinzip zeichnet sich ein Spannungsfeld zwischen diesem abnehmenden Infektionsgeschehen einerseits und gegen 1,0 tendierenden Reproduktionsraten andererseits ab.

Die “Luft nach oben” scheint, was Lockerungen angeht, langsam an Grenzen zu stoßen. Dabei sind viele derselben, wie der sommerliche Reiseverkehr oder Grenzöffnungen, noch nicht wirklich vollzogen. Auch die schleichenden Verhaltensänderungen sind hier noch einzupreisen.

Ungewiss ist, in welchem Maße genau durch sommerliche Temperaturen und UV-Einstrahlung mit Entlastung im Infektionsrisiko zu rechnen ist. Doch auch gegenläufige Effekte sind durch Schulferien, weniger besuchte Kitas und dünner besiedelte Arbeitsplätze zu erwarten.

Die Zahlen deuten zumindest darauf hin, dass es – je nach Bundesland – auch vor den Sommerferien noch Potenzial für Überraschungen gibt.

Wenngleich Reproduktionszahlen über 1,0 aktuell eher als Wochenend- oder Feiertagseffekte anzunehmen sind, welche sich aus geändertem Diagnose- und Meldeverhalten ergeben, ist der geringfügige Trend nach oben nicht von der Hand zu weisen.

Umgekehrt ist aber auch zu berücksichtigen, dass die Reproduktionszahl selbst bereits darauf ausgerichtet ist, die Dynamik zu beschreiben. Insofern sind Trendanalysen bei dieser Kennzahl nur von bedingter Aussagekraft. Zunächst fällt der Rückgang von Neuinfektionen auch in einer relativen Betrachtung geringer aus als bisher. Es ist gleichermaßen denkbar, dass sich die R-Ziffern nun auf einem höheren Niveau (aber noch unter 1,0) einpegelt und dann dort verharrt. Viel Luft bis zur unliebsamen Trendumkehr in den Fallzahlen ist trotzdem nicht.

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.

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