Reproduktionszahlen nach Bundesländern per 15. Mai 2020

Last updated on 27. Mai 2020

Für die einzelnen Bundesländer wurden meinerseits in einer Annäherung an das RKI-Modell, jedoch auf einem 7-tägigen Zeitfenster folgende Reproduktionszahlen für Covid-19-Infektionen geschätzt. Die Rundung erfolgte auf 0,05. Die Reproduktionszahlen der Vorwoche ergeben sich aus Rückrechnungen auf Basis aktueller Stichtagsdaten und können daher von früher ausgewiesenen Kennzahlen abweichen.

Reproduktionszahl für...15. Mai 202008.Mai 2020Veränderung
Baden-Württemberg1,000,65+0,35
Bayern0,900,70+0,20
Berlin0,700,85-0,15
Brandenburg0,900,70+0,20
Bremen0,851,05-0,20
Hamburg0,900,80+0,10
Hessen0,900,85+0,05
Mecklenburg-Vorpommern*0,80*0,80*0
Niedersachsen0,750,80-0,05
Nordrhein-Westfalen0,900,900
Rheinland-Pfalz**0,80**0,70**+0,10
Saarland**0,80**0,70**+0,10
Sachsen1,001,05-0,05
Sachsen-Anhalt0,850,850
Schleswig-Holstein0,750,85-0,10
Thüringen0,900,900
Deutschland (Wochenbasis)0,860,80+0,06

Methodik

Abweichend von dem RKI-Modell auf Basis von 4-Tage Zeitfenstern unterliegt meine Schätzung einem wöchentlichen Zeitfenster, welches die Neuerkrankungen mit einem um eine Generationsdauer von 4 Tagen versetzten Zeitfenster vergleicht. Dies glättet mögliche Schwankungen auf Tagesbasis etwas stärker. Darüber hinaus kann der teilweise geringen Zahl an Neuerkrankungen in einzelnen Bundesländern statistisch etwas besser Rechnung getragen werden, weil die Berechnungsbasis damit verbreitert wird.

Das verwendete Modell greift direkt auf die Falldaten des RKI (Stichtag 15. Mai 2020 / 0:00 Uhr) zurück. Soweit ein Erkrankungsdatum nicht plausibel vorliegt, wird dieses modellseitig vereinfacht, aber ebenfalls multipel imputiert. Da für jüngere Stichtage noch spätere Meldungen mit entsprechendem Erkrankungsbeginn für die jeweiligen Tage zu erwarten sind, wird über ein sogenanntes Nowcasting eine Hochrechnung vorgenommen.

Der Ausweis der Daten erfolgt zum Datenstichtag ("Ende des jeweiligen Zeitfensters"), wobei für die drei jüngsten Kalendertage inkl. Stichtag noch keine Ermittlung von R erfolgt. Grund hierfür ist, dass der für die Schätzung relevante Erkrankungsbeginn in der Regel einige Tage zurückliegt, sodass für diese Tage noch nicht von ausgeprägten Datensätzen ausgegangen werden kann.

Somit reicht die Schätzung für Fälle mit Erkrankungsbeginn bis zum 04.05.2020. Die Reproduktionszahl beschreibt unter Berücksichtigung von Inkubationszeit, Diagnose und Meldung etwa das Infektionsgeschehen vor 8 bis 14 Tagen.

Hinweise zu einzelnen Bundesländern

*In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen der vergangenen Wochen bereits so gering, dass kaum noch eine valide Reproduktionszahl mehr geschätzt werden kann.

**In Rheinland-Pfalz und im Saarland sind ebenfalls noch sehr geringe Fallzahlen zu verzeichnen, welche eine statistisch valide Ermittlung erschweren. Die Entwicklung stellt sich in beiden Ländern recht ähnlich dar. Es wurde eine gemeinsame Schätzung vorgenommen.

Einwertung für die Länder

Insgesamt ist doch ein recht einheitlicher Trend zu erkennen, welcher teilweise von einzelnen Ausbruchsgeschehen im Zeitfenster bzw. dem um 4 Tage rückwärts versetzen Vergleichszeitraum dominiert wird.

Die Reproduktionszahlen haben sich in der vergangenen Woche etwas gemindert, wobei ich aktuell nicht von einer echten Minderung ausgehe. Vielmehr halte ich es für wahrscheinlich, dass der R-Wert schon vorher niedriger war, durch eine immer dichtere Nachverfolgung in den Vorwochen eine abnehmende Dunkelziffer temporär höheren R-Werten im messbaren Ergebnis geführt hatte. Dieser Effekt dürfte nun langsam aus der Zeitreihe herauswachsen.

Historie in Deutschland

Inzwischen ist die Wirkung aus den Lockdown-Maßnahmen recht deutlich zu erkennen, wenngleich der Ausgangspunkt als unterzeichnet einzuwerten ist. Das begründet sich darin, dass die Nachverfolgung von Mitte bis Ende März offenbar mit Schwierigkeiten in der Nachverfolgung zu kämpfen hatte.

Die Daten deuten darauf hin, dass im Zuge des Lockdowns die Nachverfolgung wieder deutlich verbessert und die Dunkelziffer vermutlich gravierend reduziert werden konnte.

Entwicklung der Reproduktionszahl für Deutschland, abgetragen nach Ermittlungsstichtag)

Da seit den Lockdown-Maßnahmen in zahlreichen Bundesändern bereits 10 Generationsdauern á 4 Tagen (40 Tage) vergangen sind, sind nicht nur die messbaren Fallzahlen erheblich zurückgegangen. Wie bereits angedeutet, gehe ich auch von einem drastischen Rückgang der Dunkelziffer aus.

Nichts desto trotz haben die Erfahrungen Anfang bis Mitte März gezeigt, wie schnell ein ungebremstes Infektionsgeschehen die Fallzahlen erneut steigen lassen kann.

Recht mühsam haben wir in etwa 6 Wochen so viel Land zurückgewonnen wie in den ersten beiden Märzwochen plötzlich in Gefahr geraten war.

Andreas Wenzel Verfasst von:

Entwickelt und prüft als Consultant seit mehr als 15 Jahren Risikoquantifizierungs- und -steuerungsmodelle im bankaufsichtlichen Kontext.

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Coronavirus: Reproduktionszahlen Bundesländer

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